01 In diesem Kapitel schauen wir uns die Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland an. 02 In einem ersten Schritt definieren wir die Berufsunfähigkeit. Berufsunfähigkeit bezieht sich immer auf den zuletzt ausgeübten Beruf. Erwerbsunfähigkeit hingegen bezieht sich auf die Fähigkeit, irgendeiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. Eine Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn man aufgrund von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall voraussichtlich für mindestens sechs Monate seinen zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schützt das Einkommen im Fall einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit. Dies ist wichtig, da das Risiko, berufsunfähig zu werden, höher ist als oft angenommen. Die Versicherung bietet finanzielle Sicherheit und hilft, den Lebensstandard zu halten. 03 Zum Zeit­punkt der Be­rufs­un­fä­hig­keit haben Sie vermutlich schon einen gewissen Lebensstandard aufgebaut. Vielleicht zahlen Sie einen Immobilienkredit ab, versorgen die Kinder, verreisen gerne und sorgen für das Alter vor. Sofern Sie nicht über anderweitiges Vermögen verfügen, können Sie diesen Lebensstil dauerhaft nur durch Arbeit erhalten. Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten – auch Humankapital genannt – sind daher besonders in jungen Jahren oft das größte Vermögen. 04 Rechnen Sie aus, wie viel Geld Sie zukünftig monatlich verdienen und rechnen Sie dies bis zur Rente hoch. Das Ergebnis ist das Humankapital. Nehmen wir an, dass Sie ab dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr monatlich zweitausend Euro netto verdienen. Dies ist nicht so viel. Wenn man Gehaltssteigerungen und die Inflation außer Acht lässt, so erwirtschaften Sie schon dann bis zum Rentenalter knapp eine Millionen Euro! 05 Nach Angaben der Deutschen Ren­ten­ver­si­che­rung wird jeder vierte Arbeitnehmer in seinem Arbeitsleben berufsunfähig. Die meisten Menschen werden wegen Erkrankungen der Psyche oder des Skeletts berufsunfähig. Das sind Erkrankungen, die alle Berufsgruppen treffen können. 06 Hier haben wir eine Statistik aus zweitausendzweiundzwanzig zu den Gründen für Be­rufs­un­fä­hig­keit. Ein Drittel davon bezog sich auf psychische Erkrankungen und Nervenkrankheiten. Zwanzig Prozent auf Erkrankungen des Skletts und des Bewegungsapparats. Dies ist schon mehr als die Hälfte der Be­rufs­un­fä­hig­keiten. Weitere Ursachen sind Krebs, Unfälle sowie Herz- und Gefäßerkrankungen. 07 Risikofaktoren für eine Be­rufs­un­fä­hig­keit sind berufliche Tätigkeiten mit hoher körperlicher Belastung wie zum Beispiel bei Bauarbeitern und Handwerkern. Auch stress-reiche Berufe und ungesunde Lebensweise wie Übergewicht und Rauchen sowie genetische Veranlagungen und Vorerkrankungen. 08 Es existiert auch eine staatliche Absicherung in Form einer Erwerbsminderungsrente. Dies ist die gesetzliche Leistung bei Erwerbsminderung. Dies erfolgt jedoch nur auf einem niedrigen Leistungsniveau, das häufig nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu halten. Die Anspruchsvoraussetzungen sind streng und leider nur schwer zu erfüllen. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung bietet eine individuell anpassbare Absicherung. Sie ergänzt die staatliche Absicherung und füllt finanzielle Lücken. Sie ist flexibel und auf die Bedürfnisse des Versicherten zugeschnitten. 09 Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine freiwillige Versicherung, die eine monatliche Rente zahlt, wenn der Versicherte berufsunfähig wird. Die Absicherung gilt bis zum vereinbarten Endalter, meist bis zur Altersgrenze von fünfundsechzig oder siebenundsechzig Jahren. Die Verträge sind individuell gestaltbar, je nach Berufsgruppe, Gesundheitszustand und weiteren Faktoren. Sie ist wichtig für alle Berufsgruppen, besonders für Selbständige und Berufe mit hohen körperlichen Anforderungen. 10 Wichtige Vertragsdetails sind der Versicherungsbeginn und die Laufzeit. Ein frühzeitiger Abschluss empfiehlt sich, da jüngere Versicherte meist gesünder sind und günstigere Beiträge zahlen. Auch die Definition der Berufsunfähigkeit im Vertrag ist wichtig mit einer eindeutigen Formulierung, die den zuletzt ausgeübten Beruf schützt. Auch auf die Nachversicherungsgarantien und auf Anpassungsmöglichkeiten sollten Sie achten: Eine Erhöhung der Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung bei bestimmten Anlässen wie Heirat oder die Geburt eines Kindes sollte möglich sein. Die Bedingungen für die Auszahlung der Rente sollte durch eindeutige Kriterien und Nachweise festgehalten sein. 11 Im Vorfeld des Vertrags müssen Sie mit umfassenden Gesundheitsfragen rechnen, ähnlich wie bei einer privaten Krankenversicherung. Bei Abschluss müssen Sie wahrheitsgemäße Angaben zu Beruf, Hobbys und Gesundheitszustand machen. Eventuell sind auch medizinische Untersuchungen oder Tests erforderlich. Über eine Risikoeinstufung erfolgt dann eine Einteilung in Risikoklassen basierend auf ihrem Gesundheitszustand und Beruf. Berufliche Tätigkeiten mit hohem Risiko sorgen für höhere Beiträge. 12 Faktoren, die die Beitragshöhe beeinflussen, sind das Alter, der Beruf, der Gesundheitszustand und die Versicherungsdauer. Sie sollten auf die Möglichkeit zur Beitragsdynamik achten. Dies ist eine regelmäßige Erhöhung der Beiträge und der versicherten Rente, um der Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten Rechnung zu tragen. Das Verhältnis von Beitragshöhe zur versicherten Rentenhöhe bedeutet, dass Sie höhere Beiträge für höhere Renten zahlen müssen. Der Vergleich von Tarifen und Anbietern ist wichtig, um die beste Absicherung zu fairen Konditionen zu erhalten. 13 Die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung können in der Regel als Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Steuererklärung geltend gemacht werden. Es ist jedoch mit einer Besteuerung der ausgezahlten Renten im Leistungsfall zu rechnen. Denn die Rente aus einer BU-Versicherung ist generell steuerpflichtig; jedoch können Freibeträge und besondere Regelungen gelten. Eine steuerliche Beratung kann ich an dieser Stelle natürlich nicht durchführen. 14 Abschließend noch Auswahlkriterien und wichtige Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Vergleichen Sie Angebote und Tarife: Nutzen Sie Vergleichsportale und die Beratung durch unabhängige Versicherungsberater. Führen Sie eine umfassende Analyse der persönlichen Situation und Bedürfnisse durch. Wichtige Fragen sind bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung: Welche Leistungen sind genau enthalten? Wie genau wird die Berufsunfähigkeit definiert? Welche Nachversicherungsmöglichkeiten gibt es? #Berufsunfähigkeit #versichern #versicherung #Erwerbsunfähigkeit #BU #Arbeitskraft #Risikofaktoren #staatlich #privat #Gesundheitsprüfung #Risikoeinstufung #beiträge #Steuern